„Schulkasten“, Eichenholz, 1824. c) Schulmuseum Bergisch Gladbach - Sammlung Cüppers

„Schulkasten“, Eichenholz, 1824

August 2022

Dieses kleine Holzkästchen ist eine wahre Rarität. Wir haben es hier mit dem Vorläufer des modernen Schulranzens zu tun. Zu sehen sind neben dem Monogramm und einer Blumenverzierung die Jahreszahl 1824, was auf den Zeitpunkt der Einschulung hindeutet. In derartigen Schulkästen wurden damals Hefte und Schreibzeug transportiert.

Vergleichbare Stücke sind aus Holland, Niedersachsen, Norddeutschland und der Niederrheinregion erhalten. Sie sind mit einem Tragegriff und einem Schiebedeckel ausgestattet, manchmal bemalt und mit einem Bildmotiv versehen.

Inzwischen konnten wir ein weiteres Exemplar, 1820 datiert, erwerben. Darin waren noch originale Hefte aus dieser Zeit und ein Papierfragment mit einer Schreibübung in der damaligen Kurrentschrift enthalten. Ein sensationeller Fund für ein Schulmuseum!

Der „Schulkasten“ ist einer von 12 Hinguckern im Schulmuseum Bergisch Gladbach – Sammlung Cüppers. Sie werden auf der neuen Webseite des Museums in kurzen Videos vorgestellt: https://www.das-schulmuseum.de/

Hauerschein von August Miranski. Foto Stadtmuseum Werne

Gast sein

Juli 2022

Als Gast versucht man oft, sich anzupassen. Die Gründe sind sicher vielfältig: Man möchte zum Beispiel nicht unangenehm auffallen, indem man gesellschaftliche Regeln bricht. Oder den Gastgebern zur Last fallen, indem man unpassende Abläufe und Anforderungen mitbringt.

Wenn wir vom Karl-Pollender-Stadtmuseum hier bei den Bergischen Museen zu Gast sein dürfen, dann ist das nicht so kompliziert. Wir wählen aus ganz freien Stücken ein Thema, das sich gut an die „Objekte des Monats“ hier anschließt, denn solche Berührungspunkte beflügeln den Austausch. Sobald wir das Foto eines Bergmanns sahen (Objekt des Monats April) war die Sache klar: Bergbau ist auch ein Thema in Werne!

Die Zeche in Werne war von 1899 bis 1975 in Betrieb. Sie prägte die Stadt baulich, wirtschaftlich und sozial. Ein wichtiger Aspekt war die Zuwanderung von Arbeitskräften um die Jahrhundertwende und bis in die späten 1920er-Jahre, die aus dem kleinen Örtchen eine Stadt werden ließ.

Einer dieser Zuwanderer war August Miranski. Seinen Hauerschein haben wir hier im Museum und können lesen, dass er am 19. September 1895 in dem schlesischen Dörfchen Donnersmark (heute: Pakoszów in Polen) geboren wurde. Als er nach Werne kam, wurde sein Name eingedeutscht zu Meinert. Dies ging auf eine Vorgabe der preußischen Regierung zurück: einwandernde Arbeiter für den Bergbau sollten „germanisiert“ werden, sie sollten mit der deutschen Bevölkerung verschmelzen.

Von Integration konnte hier keine Rede sein: Viele der sogenannten Ruhrpolen lebten in eigenen Vierteln und wurden von den Kollegen aus alteingesessenen Familien nicht als ebenbürtig akzeptiert. Wie August Miranski die Anpassung seines Namens empfand, wissen wir nicht. Fakt ist, dass eine hohe Zahl der zugewanderten polnischen Arbeiter auch wegen der mangelnden Gastfreundschaft in den 1920er Jahren weiter migrierte oder in das neue Polen zurückkehrte.

Dr. Constanze Döhrer, Leiterin des Stadtmuseum Werne


Das kulturhistorische Museum im alten Amtshaus am Kirchhof beherbergt auf vier Etagen die Geschichte der Stadt Werne. Hier erzählen Dinge und Menschen Geschichten von früher und heute, vom Jagen und Sammeln bis zu Amazon und Klimaschutz. Gemeinsam mit den Bürger:innen der Stadt entwickelt sich das Museum gerade zur Lesehilfe für und zum Austauschort über die Stadt. Mehr zum Museum auf Stadtmuseum – Stadt Werne. Das Netzwerk Bergische Museen und das Karl-Pollender-Stadtmuseum sind im Projekt #keinRembrandt miteinander verbunden.

Fotos: Stadtmuseum Werne

Bauwagen NaturGut Ophoven

Bauwagen auf der Mitmachbaustelle

Juni 2022

Dieser neue, alte Bauwagen bildet das Zentrum der neuen Mitmachbaustelle des Kinder- und Jugendmuseums EnergieStadt auf dem Gelände des NaturGuts Ophoven.

Sein zweites, buntes Leben verdankt er dem Hochwasser vom 14. Juli 2021. Es hat das NaturGut Ophoven schwer getroffen. Seither ist nur noch ein kleiner Teil des Museums für geführte Gruppen zugänglich. Wenn in einem Jahr die umfangreiche Sanierung beginnt, wird das Museum dann sogar komplett geschlossen werden. Der Bauwagen dient schon jetzt als „Leuchtturm“ und wird auf verschiedene geplante Outreach-Aktionen des Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt hinzuweisen.

Er gehörte zuvor dem Leverkusener Bauunternehmer Bernhard Hohns, der inzwischen seine Tätigkeit eingestellt und den Bauwagen gespendet hat.
Das alte Schätzchen aus den 1980er Jahren wurde von den Mitarbeiter*innen des NaturGuts mit viel Enthusiasmus restauriert und von der Künstlerin Swenja Camphausen gestaltet. Jetzt leuchtet er schon von weitem und macht neugierig auf das, was hinter den Absperrgittern alles passiert.

Seit Mai 2022 und noch den ganzen Sommer lang können Kinder von 5-12 Jahren auf der Mitmachbaustelle am Bauwagen die Ärmel hochkrempeln und im Team ihr ganz eigenes Traumhaus bauen. Mit großem Spaß wird gemeinsam geplant, gemessen, gemörtelt, gemauert und gezimmert. Wer fleißige Handwerker*innen sehen möchte, der muss einfach an den Wochenenden vorbeischauen.

Nach einer kurzen Anleitung durch eine/n Mitarbeiter*in und mit Helmen und Handschuhen ausgestattet, starten die Kinder mit dem Anrühren des Sandmörtels und dem Hochziehen der Mauern. Stehen die Mauern, wird der Dachstuhl gemeinsam auf das Haus gesetzt und Richtfest gefeiert. Nebenbei erfahren die Kinder viel über die verschiedenen Berufsgruppen, die an dem Bau eines Hauses beteiligt sind und was man eigentlich alles auf einer Baustelle beachten muss. Nach getaner Arbeit treffen sich alle glücklich und erschöpft am Bauwagen und lassen sich eine Stärkung schmecken. Zum Abschluss erhält jedes Kind ein Zertifikat über das erfolgreiche Mitwirken beim Bau.

Die Mitmachbaustelle orientiert sich am Outreach-Ansatz von Museen. Dieses zukunftsweisende Konzept für museale Bildung bedeutet die Öffnung von Museen für neue Besucher*innengruppen und ist letztlich auf eine einfache Formel zu bringen: mehr Menschen für Museen begeistern. Outreach möchte also Gesellschaftsgruppen mit einbeziehen, die das Kulturangebot aus unterschiedlichen Gründen nicht eigeninitiativ wahrnehmen. Bei diesem Projekt steht das Thema nachhaltiges Bauen im Fokus.

Wir sind gespannt sein, welche Aktionen zukünftig noch aus dem Bauwagen hervorgezaubert werden.

Lederbeutel, Deutsches Schloss- und Beschlaegemuseum. Foto Thomas Schultz

Lederbeutel, Deutsches Schloss- und Beschlaegemuseum. Foto Thomas Schultz

Lederbeutel, Ende des 19. Jahrhunderts

Mai 2022

Wer unterwegs ist, möchte seine Habseligkeiten sicher aufbewahrt wissen. Die Techniken dafür werden immer ausgeklügelter.

Dieser birnenförmige Beutel wurde unterwegs zusammengerollt und durch einen Lederriemen fixiert. Mit dem Vorhangschloss aus Messing konnte der Beutel zudem abgeschlossen und der Inhalt zusätzlich gesichert werden.

Auf dem Schloss der Firma „Miller Lock & Co.“ aus den USA, Philadelphia, ist die Bezeichnung „Empire 4 Lever“ erkennbar. Demnach gehört das Schloss zur „Empire“-Serie, die neben der „Champion“-Serie aus stabilerem Rotguss um 1900 patentiert worden ist, und entweder mit 4 oder 6 Zuhaltungen produziert wurde. Das Schlüsselloch für den flachen Messing-Schlüssel befindet unten auf der Schmalseite des Schlosses.

Durch eine Öse am oberen Ende konnte der Beutel außerdem eingehängt oder am Hosenbund befestigt werden. Ursprünglich diente der Beutel vermutlich einem Post- oder Geldboten, um Geld während der Transfers sicher aufbewahren zu können.

Der Lederbeutel befindet sich heute in der Sammlung des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums in Velbert, dem weltweit einzigen wissenschaftlich geführten Museum für Schließ- und Sicherheitstechnik.

Text: Emmanuel Giagtzoglou, Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum Velbert

Zum Museum: Startseite | Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum (schlossundbeschlaegemuseum.de)

Bergmann mit Wurfschaufellader unter Tage. Foto Sammlung Carl Heinz Kalthoff, Stadtarchiv Bergisch Gladbach

Bergmann mit Wurfschaufellader unter Tage. Foto Sammlung Carl Heinz Kalthoff, Stadtarchiv Bergisch Gladbach

Bergmann mit Wurfschaufellader unter Tage, ca. 1956

April 2022

Auf dem Foto ist ein Bergmann zu sehen, der einen Wurfschaufellader bedient. Im ehemaligen Bensberger Erzrevier zwischen Bergisch Gladbach, Engelskirchen und Much wurde die Maschine erstmals 1953/54 in der Grube Lüderich eingesetzt.

Mit den beiden Hebeln an der linken Seite wurden die beiden Motoren des Laders bedient. Der Fahrmotor bewegte den Lader vor und zurück, um soviel Erz und Gestein wie möglich auf die Schaufel zu bekommen. Der Wurfmotor bewegte die gefüllte Schaufel über den Lader hinweg nach hinten in den angehängten Förderwagen.

Die Maschine nahm den Bergmännern einen Teil ihrer körperlich stark zehrenden Arbeit ab und erleichterte so ihren Arbeitsalltag. Bis dahin waren schiere Muskelkraft und einfache Werkzeuge wie Schaufeln, Kratze und Fülltrog notwendig, um das Haufwerk vom Boden in die Förderwagen zu befördern. Der Lader stellte sie jedoch auch vor neue Herausforderungen, da seine Bedienung nicht ungefährlich war: Falsch befüllt, konnte die Maschine umkippen, so dass es vereinzelt zu schweren Unfällen in den engen Stollen kam.

Ein Wurfschauffellader von der Grube Lüderich ist im Rahmen der Sonderausstellung „Querfeldein – bewegende Geschichte(n)“ noch bis zum 18. September 2022 im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bergisch Gladbach zu sehen.

Farbwalze, Foto Suzy Coppens, BergerhofStudios Köln

Farbwalze, Foto Suzy Coppens, BergerhofStudios Köln

Schöne bunte Wände – Schablonen und Farbwalzen

März 2022

Um 1800 waren Tapeten extrem wertvoll. Mit Hilfe der damals modernen Schablonenmalerei konnten ab 1870 Wände farblich gestaltet werden. Und das zu einem erschwinglichen Preis. Die Schablonen bestanden vorwiegend aus festem Karton, wurden selbst geschnitten oder in großer Motivvielfalt von speziellen Firmen hergestellt.

So gründeten die Dekorationsmaler Brückmann, Boysen und Weber die „Malschule für dekorative Wandgestaltung“ in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal). Diese hatte großen Erfolg und bot eine große Auswahl ganz unterschiedlicher Schablonen an. 1910 trug die Firma die Marke STORCH® als Warenzeichen ein und firmiert seither als STORCHWERKE.

Neben Bordüren und vollflächigen Wandmustern gab es auch eine Vielzahl an Einzelmotiven. Als Farbe diente mit Kleister gebundenes Farbpulver. Passmarken erleichterten das erneute Ansetzen der Schablone. In den 1930er-Jahren lösten Walzapparate die Schablonen ab. Die Walzen bestanden aus Kautschuk, Filz oder Kunststoff. Mit Hilfe einer Speisewalze wurde die Farbe auf die Rolle übertragen. Der integrierte Farbbehälter sorgte für eine kontinuierliche Farbzufuhr und einen gleichmäßigen Musterverlauf.

Die Technik der Walzapparate nutzte man bis in die 1960er-Jahre zur Wandgestaltung. Das LVR-Freilichtmuseum Lindlar verfügt über einen großen Bestand an Schablonen und Farbrollen. Entdecken Sie bei Ihrem nächsten Besuch im Museum die farbige Wandgestaltung im Obergeschoß der Gaststätte Römer oder werfen Sie im Rahmen einer Führung im Kleinstwohnhaus aus Hilden einen Blick in das Obergeschoß mit der schönen Farbgestaltung und der Schablonenmalerei.

Einen guten Überblick über die Vielfältigkeit von Schablonen und Druckwalzen bietet die Publikation „Bunte Wände. Schablonen und Walzmuster aus den Beständen des Freilichtmuseums Hessenpark“, Matthias Stappel und Beate Bickel (Mitarb.), Hg. Freilichtmuseum Hessenpark, Neu-Anspach 2009, 100 Seiten.

Fotos: Suzy Coppens, BergerhofStudios Köln; Stefan Arendt/LVR-Zentrum für Medien und Bildung

Pillenbrett. Foto Uli Erbach, Niederbergisches Museum Wülfrath

Pillenbrett. Foto Uli Erbach, Niederbergisches Museum Wülfrath

Pillenbrett

Februar 2022

Lange bevor es Tabletten, Kapseln oder bunte Dragees gab, war die handgeformte Pille in Kugelform (lat. Pilula) das am häufigsten hergestellte Arzneimittel einer Apotheke.

Die Herstellung erforderte großes handwerkliches Geschick. Die flotte Beherrschung der Pillen-Zubereitung war einst der Stolz des Apothekers. Ja, sie war geradezu ein Prüfstein für seine kunsthandwerkliche Befähigung.

Als Hilfsmittel diente dem Apotheker das Pillenbrett, auch Pillenmaschine genannt. Dieses Exemplar stammt aus dem Niederbergischen Museum in Wülfrath. Dort können Sie es inmitten einer originalen Apothekeneinrichtung aus der Zeit um 1800 im 1. Stock entdecken (Original Apotheke um 1800 – Niederbergisches Museum Wülfrath (niederbergisches-museum.de).

Das Objekt des Monats Februar besteht aus überragenden Seitenleisten und ebensolcher Kopfleiste. Die Fußleiste ragt nach unten vor, um der Pillenmaschine an der Tischkante einen Halt zu geben.

Der Pillenabteiler ist aus Eisen. Er besteht aus einem in die Vertiefung des Ausrollbrettes passenden ruhenden Unterteils und einem beweglichen Oberteil. Beide haben Rillen, die durch scharfe Rippen geschieden sind. Das Oberteil ist ein Spiegelbild des Unterteils.

Aus Hefe, Glycerin, destilliertem Wasser und dem Arzneiwirkstoff, zum Beispiel Baldrian für eine Beruhigungstablette, stellte der Apotheker eine leicht knetbare und gut formbare Masse her. Aus dieser wurde ein Strang gerollt, der die Breite der geriffelten Abteiler-Fläche hatte. Mit dem Handteil wurde der Strang durch vorsichtiges Darüberrollen in gleichmäßige Einzelportionen zerteilt.

Das anschließende Bestreuen mit Bärlappsporen (Lycopodium) verhinderte beim folgenden Rollieren das Zusammenkleben der Pillen. Wenn diese gleichmäßig rund waren, bekamen sie abschließend eine Beschichtung mit Zuckerguss, Schokolade oder Blattgold. Dieser zeitraubende Vorgang sollte den schlechten Geschmack einer Medizin übertünchen.

Da das Rollieren der Pille mit einer Drehbewegung einherging, nannte man den Apotheker auch scherzhaft „Pillendreher“.

Fotos: Uli Ehrbach, Niederbergisches Museum Wülfrath

Ein Paar Schlittschuhe der Fa. Hudora mit Originalverpackung. Inv. Nr. 2011/95, 2. Hälfte 20. Jh. Foto: Oliver Kolken, Museum Schloss Homburg

Schlittschuhe von HUDORA

Januar 2022

1919 gründete Hugo Dornseif eine Schlittschuhfabrik in Radevormwald und gab ihr seinen Namen: HUgo DOrnseif RAdevormwald.

Ein erster Erfolg war die Produktion eines Schlittschuhs aus einem Stück im Jahr 1926. Dadurch konnte die Firma auch den Profisport bedienen. Während der 1920er Jahre verkaufte das Unternehmen Schlittschuhe in ganz Europa. Bald darauf begann HUDORA auch mit der Fabrikation von Rollschuhen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war HUDORA von der Demontage durch die Alliierten betroffen und erst in den 1950er Jahren erholte sich das Unternehmen mit einem neuen Trend, dem Gleitschuh, mit oder ohne Gummirollen. 1998 gab HUDORA seinen Standort in Radevormwald auf und verlegte seinen Firmensitz in ein neues Gebäude in Remscheid.

Seit 2000 entwickelt sich die Firma zum größten Inline Skates-Hersteller in Deutschland. Darauf aufbauend wurden dann die Scooters auf den Markt gebracht. HUDORA ist immer am Lifestyle der Zeit und produziert Sport- und Freizeitgeräte für die ganze Familie.

Quarzstufe im Kalkstein. Foto: Peter Marschall

Quarzstufe im Kalkstein. Foto: Peter Marschall

Quarzstufe im Zeittunnel in Wülfrath

Dezember 2021

Die Kalksteinvorkommen im Bergischen Land entstanden vor 400 Millionen Jahren im Devon. Ein Zeuge dieser Zeit ist ein großer, anderthalb Tonnen schwere Kalkstein aus dem größten Kalksteinabbaugebiet in Europa. Er wurde in der 90-Meter-Sohle des Steinbruchs Rohdenhaus im Wülfrather Kalkgebiet gefunden. Hier verläuft der Bergische Riffkalkzug aus dem Devon. Der Stein ist heute im Zeittunnel Wülfrath, einem Museum für Kalk- und Erdzeitgeschichte, ausgestellt.

Nach der Bildung des Kalkgesteins entstanden Hohlräume im Kalkstein, die auch Drusen genannt werden. Sie entstehen immer durch Wasser, das aus Spalten und Ritzen im Gestein in Hohlräume eindringt. Das kann Grundwasser oder Regenwasser sein. Es kann aber auch aus hydrothermalen Gängen (spätmagmatisch) stammen. Dies ist immer eine lokale Besonderheit. Kalkstein ist sehr erosionsanfällig.

Das Wasser durchfließt quarzreiche Schichten im Kalkgestein. Daher kommt es zu einer Quarzsättigung des Wassers. Mikroskopisch kleine Quarzkristalle lagern sich durch die Schwerkraft an den Kalkstein an und verwachsen mit diesem. Die mikroskopisch kleinen Quarzkristalle sind Ausgangspunkt für Kristallwachstum. Hierbei wächst der Kristall durch gerichtete Anlagerung weiterer Kristallbausteine weiter.

Der hier vorgestellte, beeindruckende Kalkstein, unser Objekt des Monats Dezember 2021, hat ein neues Zuhause im Wülfrather Zeittunnel gefunden. Hier liegt er am Anfang eines 160 Meter langen Abbautunnels des Bochumer Bruchs, in dem 400 Millionen Jahre Erdgeschichte mit allen Sinnen erlebbar sind.

Quarzstufe im Kalkstein (Detail) Foto Peter Marschall
Quarzstufe im Kalkstein (Detail) Foto Peter Marschall
Reiseapotheke. Foto Wilhelm-Fabry Museum Hilden

Reiseapotheke. Foto Wilhelm-Fabry Museum Hilden

Reiseapotheke

November 2021

Wilhelm Fabry beschreibt in seinem „Opera observationum et curationum chirurgicarum“ von 1646 einen tragbaren Arzneikasten für Wundärzte, den er „Cista militaria“ nennt.

Auch das Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden hat ein Exemplar in seiner Sammlung. Diese Reiseapotheke stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und befindet sich zur Zeit sogar selbst auf der Reise: Das Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg zeigt aktuell die Ausstellung „Geist und Genies – Ein Duisburger Gelehrten-Netzwerk im 16. Jahrhundert“. Dort kann unter anderem auch der Arzneischatz aus dem Wilhelm-Fabry-Museum bewundert werden.

Motorradmodell aus Kamerun. Foto: Archiv- und Museumsstiftung der VEM

Motorradmodell aus Kamerun. Foto: Archiv- und Museumsstiftung der VEM

Motorradmodell aus Kamerun

Oktober 2021

Die Straßen in der Region Extrême Nord im nördlichsten Zipfel Kameruns sind außerhalb der größeren Städte und Siedlungen meist schlecht oder gar nicht befestigt. Wer nicht zu Fuß oder mit einem Last- oder Reittier unterwegs ist, größere Distanzen in vergleichsweise kurzer Zeit zurücklegen will oder muss, der benötigt entweder einen Geländewagen oder ein Motorrad. Dies ist besonders im Gebiet der Mandaraberge nördlich des Regionalverwaltungssitzes Marua der Fall. Sowohl dort als auch in der Stadt selbst sind robuste Motorräder – wie das hier als nahezu maßstabsgetreues Modell zu sehende – als Lastentransporter oder Personentaxi häufig im Einsatz. Auf eine solche Einsatzmöglichkeit weisen die als Doppelsitzer ausgeführte Sitzfläche und die Verschalung des Hinterrades am Modell hin.

Das Modell selbst ist ein kleines Kunstwerk und wurde aus einem organischen Material hergestellt, das in der Landwirtschaft der gesamten Sudanzone Afrikas zwischen tropischer Regenwaldzone und Sahara in großen Mengen anfällt. Es handelt sich um die Stängel und Fasern des Sorghum. Die Körner dieser Hirseart sind in den halbtrockenen bis trockenen Gebieten Afrikas ein Grundnahrungsmittel. Auch im Norden Kameruns wird Sorghum daher häufig angebaut. Stängel und Blätter der Pflanze können als Viehfutter verwendet werden. Aufgrund ihres hohen Zellulosegehalts sind sie jedoch auch als stabilisierende Beimischung zu Dung und Lehm bei der Herstellung der Wände traditioneller Häuser in der Region geeignet.

Dieselbe Stabilität ist es aber auch, die sie zum Ausgangsmaterial für kreatives Arbeiten macht. Modelle wie dieses werden so oder in einfacheren Ausführungen als Spielzeug oder gezielt für den (touristischen) Markt hergestellt. Das hier zu sehende Motorradmodell wurde 1998 in der Nähe des Dorfes Oudjilla erstanden.

Langenfelder Postkutsche. Foto Stadtmuseum Langenfeld

Langenfelder Postkutsche. Foto Stadtmuseum Langenfeld

Langenfelder Postkutsche

September 2021

Bei der Langenfelder Postkutsche handelt es sich um einen neuzeitlichen Nachbau eines Kutschenmodels der „Hochfürstlich Thurn und Taxi’schen Posthalterei“. Solche Kutschen verkehrten um das Jahr 1850. Die zweiachsige Kutsche mit geschlossener Karosserie bot für vier Passagiere auf zwei vis-à-vis angeordneten Bänken ausreichend Platz. Reisegepäck, Briefe und Pakete wurde auf dem Dach der Kutsche befördert. War das Aufkommen an zu versendenden Waren und Gepäck besonders groß, begleitete ein kleinerer Beiwagen mit einem Zugpferd den Zweispänner. Der Postillion fuhr auf dem Kutschbock vor der Fahrgastkabine mit und war damit, ebenso wie die Pferde, schutzlos Wind und Wetter ausgeliefert.

Neben seiner Eigenschaft als Kutscher hatte der Postillion auch die Aufgabe, mit dem Posthorn Signal zu geben. In engen und unübersichtlichen Teilstrecken und an Kreuzungen kündigte das Posthorn die Postkutsche an und informierte den entgegenkommenden und kreuzenden Verkehr. Die Postkutsche hatte immer Vorfahrt! Näherte sich die Kutsche einem Haltepunkt, konnten die Postbeamten vor Ort und die Gastwirte, wenn das Horn ertönte, die Ankunft der Kutsche vorbereiten. Der Postillion und die Passagiere wurden verpflegt und die Pferde für gewöhnlich ausgetauscht.

Obwohl das Wege- und Straßennetz sich kontinuierlich verbesserte und die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit sich erheblich erhöhte, blieb die Reise mit der Postkutsche mühsam und unkomfortabel. Vielerorts wurde der Postkutschenbetrieb mit dem Aufkommen der Eisenbahn unrentabel. Die Langenfelder Posthalterei, welche im Jahr 1774 erstmals schriftliche Erwähnung findet und ehemals den Personen-, Waren- und Informationsfluss zwischen Düsseldorf, Köln und Wuppertal gewährleistet hatte, wurde im Jahr 1868 aufgelöst. 1905 wurde der Personenbetrieb endgültig eingestellt. Zu dieser Zeit machte nicht nur die Eisenbahn, sondern auch das Aufkommen des Automobils der Pferdekutsche Konkurrenz.

Postkutschen wie diese, welche heute hinter dem Stadtmuseum Langenfeld in einer Remise und durch große Schaufenster vom Parkplatz aus gut sichtbar ausgestellt ist, fallen damit schon in die späten Jahre der Postkutschenzeit. Im Jahr 2005 fand anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der letzten offiziellen Postkutschenfahrt auf Langenfelder Stadtgebiet ein Festumzug unter Schirmherrschaft und in Anwesenheit des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel statt. Heute wird die Postkutsche regelmäßig zu städtischen Events wie Jahrestagen und Stadtfesten angespannt.