Motorradmodell aus Kamerun. Foto: Archiv- und Museumsstiftung der VEM

Motorradmodell aus Kamerun. Foto: Archiv- und Museumsstiftung der VEM

Motorradmodell aus Kamerun

Oktober 2021

Die Straßen in der Region Extrême Nord im nördlichsten Zipfel Kameruns sind außerhalb der größeren Städte und Siedlungen meist schlecht oder gar nicht befestigt. Wer nicht zu Fuß oder mit einem Last- oder Reittier unterwegs ist, größere Distanzen in vergleichsweise kurzer Zeit zurücklegen will oder muss, der benötigt entweder einen Geländewagen oder ein Motorrad. Dies ist besonders im Gebiet der Mandaraberge nördlich des Regionalverwaltungssitzes Marua der Fall. Sowohl dort als auch in der Stadt selbst sind robuste Motorräder – wie das hier als nahezu maßstabsgetreues Modell zu sehende – als Lastentransporter oder Personentaxi häufig im Einsatz. Auf eine solche Einsatzmöglichkeit weisen die als Doppelsitzer ausgeführte Sitzfläche und die Verschalung des Hinterrades am Modell hin.

Das Modell selbst ist ein kleines Kunstwerk und wurde aus einem organischen Material hergestellt, das in der Landwirtschaft der gesamten Sudanzone Afrikas zwischen tropischer Regenwaldzone und Sahara in großen Mengen anfällt. Es handelt sich um die Stängel und Fasern des Sorghum. Die Körner dieser Hirseart sind in den halbtrockenen bis trockenen Gebieten Afrikas ein Grundnahrungsmittel. Auch im Norden Kameruns wird Sorghum daher häufig angebaut. Stängel und Blätter der Pflanze können als Viehfutter verwendet werden. Aufgrund ihres hohen Zellulosegehalts sind sie jedoch auch als stabilisierende Beimischung zu Dung und Lehm bei der Herstellung der Wände traditioneller Häuser in der Region geeignet.

Dieselbe Stabilität ist es aber auch, die sie zum Ausgangsmaterial für kreatives Arbeiten macht. Modelle wie dieses werden so oder in einfacheren Ausführungen als Spielzeug oder gezielt für den (touristischen) Markt hergestellt. Das hier zu sehende Motorradmodell wurde 1998 in der Nähe des Dorfes Oudjilla erstanden.

Langenfelder Postkutsche. Foto Stadtmuseum Langenfeld

Langenfelder Postkutsche. Foto Stadtmuseum Langenfeld

Langenfelder Postkutsche

September 2021

Bei der Langenfelder Postkutsche handelt es sich um einen neuzeitlichen Nachbau eines Kutschenmodels der „Hochfürstlich Thurn und Taxi’schen Posthalterei“. Solche Kutschen verkehrten um das Jahr 1850. Die zweiachsige Kutsche mit geschlossener Karosserie bot für vier Passagiere auf zwei vis-à-vis angeordneten Bänken ausreichend Platz. Reisegepäck, Briefe und Pakete wurde auf dem Dach der Kutsche befördert. War das Aufkommen an zu versendenden Waren und Gepäck besonders groß, begleitete ein kleinerer Beiwagen mit einem Zugpferd den Zweispänner. Der Postillion fuhr auf dem Kutschbock vor der Fahrgastkabine mit und war damit, ebenso wie die Pferde, schutzlos Wind und Wetter ausgeliefert.

Neben seiner Eigenschaft als Kutscher hatte der Postillion auch die Aufgabe, mit dem Posthorn Signal zu geben. In engen und unübersichtlichen Teilstrecken und an Kreuzungen kündigte das Posthorn die Postkutsche an und informierte den entgegenkommenden und kreuzenden Verkehr. Die Postkutsche hatte immer Vorfahrt! Näherte sich die Kutsche einem Haltepunkt, konnten die Postbeamten vor Ort und die Gastwirte, wenn das Horn ertönte, die Ankunft der Kutsche vorbereiten. Der Postillion und die Passagiere wurden verpflegt und die Pferde für gewöhnlich ausgetauscht.

Obwohl das Wege- und Straßennetz sich kontinuierlich verbesserte und die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit sich erheblich erhöhte, blieb die Reise mit der Postkutsche mühsam und unkomfortabel. Vielerorts wurde der Postkutschenbetrieb mit dem Aufkommen der Eisenbahn unrentabel. Die Langenfelder Posthalterei, welche im Jahr 1774 erstmals schriftliche Erwähnung findet und ehemals den Personen-, Waren- und Informationsfluss zwischen Düsseldorf, Köln und Wuppertal gewährleistet hatte, wurde im Jahr 1868 aufgelöst. 1905 wurde der Personenbetrieb endgültig eingestellt. Zu dieser Zeit machte nicht nur die Eisenbahn, sondern auch das Aufkommen des Automobils der Pferdekutsche Konkurrenz.

Postkutschen wie diese, welche heute hinter dem Stadtmuseum Langenfeld in einer Remise und durch große Schaufenster vom Parkplatz aus gut sichtbar ausgestellt ist, fallen damit schon in die späten Jahre der Postkutschenzeit. Im Jahr 2005 fand anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der letzten offiziellen Postkutschenfahrt auf Langenfelder Stadtgebiet ein Festumzug unter Schirmherrschaft und in Anwesenheit des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel statt. Heute wird die Postkutsche regelmäßig zu städtischen Events wie Jahrestagen und Stadtfesten angespannt.

Das Exponat „Beule“ im Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt. Foto: Museum

Das Exponat „Beule“ im Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt. Foto: Museum

Ford Focus: Brennstoffzellenversuchsträger, 2000, USA

August 2021

Das alte Auto, auch Beule genannt, lädt die Besucher:innen des Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt im NaturGut Ophoven Leverkusen zu einer Spritztour durch die Stadt ein! Einsteigen, den Hebel im Zündschloss bewegen, und schon geht die Fahrt los!

In Wirklichkeit handelt es sich bei Beule um einen Ford Focus mit Brennstoffzellentechnik. Er wurde im Jahr 2000 in den USA als Brennstoffzellen-Versuchsträger geplant und für die nächste Generation 2003 so umgebaut, dass es gasförmigen Wasserstoff direkt tanken und in einem Drucktank im Kofferraum speichern konnte.

Auszubildende im Bereich Kraftfahrzeug-Mechatronik der Firma Ford haben den Ford Focus speziell für das Kinder- und Jugendmuseum zu einem Cabriolet umgebaut. Das Fahrzeug befand sich vorher bereits im Technikmuseum Sinsheim und wurde dem NaturGut Ophoven am 19. Januar 2011 von den Ford-Werken übergeben.
Seitdem haben Tausende von Schulkindern fantastische Fahrten durch die Erlebniswelten des Kindermuseums unternommen.

Ein aktueller Hinweis zum Schluss: Das Hochwasser im Juli 2021 hat das Museum schwer beschädigt. Gern können Sie den Wiederaufbau unterstützen. Alle aktuelle Informationen finden Sie auf NaturGut Ophoven | forschen | erleben | erlernen (naturgut-ophoven.de)

Roter Spielzeugporsche

Ein Traum in Rot

Juli 2021

Den Fahrtwind im Haar spüren. Über die Straße sausen. Wer träumt nicht davon, im Sommer durch das Bergische Land zum nächsten Ausflugsziel zu fahren oder von einer einfachen Spazierfahrt mit einem Cabriolet? Mit diesen sommerlichen Gefühlen stellen wir heute unser Objekt des Monats vor: Ebenso wie sein „großer Bruder“, der Porsche 356, war und ist ebenfalls der Porsche 7500 von Distler heißbegehrt. Die Firma Johan Distler KG wurde 1899 in Nürnberg gegründet und stellte bis zu seiner Schließung 1962 Blechspielzeuge, Eisenbahnen, Autos und Figuren her. Ein besonderes Produkt stellte das Modell des Porsches dar, welcher ab 1955 produziert wurde. Er wurde unter den Namen „Electromatic 7500 FS“ vertrieben, was seine Besonderheit noch mehr herausstellte, denn das FS steht für Fernsteuerung. Zum Starten wurde ein Zündschlüssel benötigt – denn ohne diesen sprang er nicht an. Die vollfunktionstüchtige Lenkung konnte über eine Fernsteuerung bedient werden, ebenso wie die Schaltung. Diese hatte übrigens einen Leerlauf, einen Rückwärtsgang und zwei Vorwärtsgänge. So konnten auch Kinder ohne einen Führerschein durch das Wohnzimmer rasen und sich vorstellen, wie der Fahrtwind einem durch das Haar weht.

Einen Distler-Porsche und anderes technisches Spielzeug kann noch bis zum 8. August 2021 im Deutschen Werkzeugmuseum in der Sonderausstellung „(K)Ein Kinderspiel“ bewundert werden. Die Ausstellung zeigt Leihgaben von Remscheider aus den Kindertagen, geht dabei kritisch der Frage nach typischen Jungen- und Mädchenspielzeug nach und zeigt dabei auch allerlei Fortbewegungsmittel aus dem Kinderzimmer.

Mehr zur Ausstellung > hier.

Fotos: Deutsches Werkzeugmuseum Remscheid

Dampflokmodell. Foto: Ralf Fellenberg, Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V.

Dampflokmodell. Foto: Ralf Fellenberg, Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V.

Modell einer Schnellzug-Dampflokomotive

Juni 2021

Es ist heutzutage gar nicht so einfach, der jüngeren Generation eine Dampflokomotive näher zu bringen. Nur noch sehr selten sind diese Loks bei Sonderzugfahrten oder in einigen Eisenbahnmuseen in Funktion zu erleben. Meistens erleben gerade die Kinder eine Dampflok auf einer Modellbahnanlage. Jedoch ist der Maßstab recht klein um genau zu sehen, wie die Bewegung der Räder erfolgt.
Deshalb ist es wichtig, auf große Modelle zurückzugreifen. Eines davon ist unser Modell der Schnellzug-Dampflokomotive 01 103 der Deutschen Bundesbahn im Maßstab von 1:15.

Solche Modelle standen früher in fast allen größeren Bahnhöfen. Gebaut wurde das Modell in der Lehrlingswerkstatt des Bahnbetriebswerkes (Bw) Wuppertal-Vohwinkel in den 1950er Jahren. Nach den Anschrift am Modell könnte es am 5. Mai 1953 fertiggestellt worden sein. Die Lehrlinge konnten so ihre handwerklichen Fähigkeiten als angehende Maschinenschlosser unter Beweis stellen. Und das sieht man dem Modell mit seinen feinen Details auch an.
Bei den Bahnhofsmodellen wurde durch den Einwurf eines 10-Pfennig-Stückes das Triebwerk in Bewegung gesetzt. Die Einnahmen kamen dem Eisenbahn Waisenhort zugute. Diese DB-Sozialeinrichtung unterstützte hinterbliebene Kinder verunfallter Eisenbahner.

Das Modell in unserem Museum stand früher im Düsseldorfer Hauptbahnhof. Seit 2020 bereichert es die Ausstellung im Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V. Dafür wurden sowohl der Antrieb unter dem Fahrgestell gereinigt als auch alle beweglichen Teile mit einem harzfreien Uhrmacher-Öl vorsichtig behandelt. Mittels eines Modellbahntrafos kann das Modell zur Freude von Jung und Alt betrieben werden. Die Bewegung der Räder ist für viele faszinierend.

Das Vorbild der Lok 01 103 wurde 1934 von der Firma Henschel mit der Fabrik-Nr. 22460 gebaut. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 130 km/h. Die Lok war knapp 24 Meter lang und wog zusammen mit dem Tender und vollen Vorräten an Kohle und Wasser fast 186 Tonnen. Ausgemustert wurde die Dampflok 1973.

Die Griffeldurchmachmaschine

Dezember 2020

Willkommen im Schulmuseum Bergisch Gladbach! Wenn Sie in den ersten Raum kommen, sehen Sie diesen merkwürdigen Apparat. Was hat der mit Schule zu tun? Es ist kein Folterinstrument, sondern eine Griffeldurchmachmaschine. Es hat also etwas mit Griffeln zu tun.

Der Hersteller der Schiefertafeln fertige auch die Griffel dafür an. Diese mussten rund sein, damit sie gut in der Hand liegen. Und sie waren mit einem Papier ummantelt, damit man sich nicht die Finger schmutzig machte.

Zunächst hat der Griffelhersteller aus einem großen Stück Schiefermaterial, das genauso breit war wie der Griffel lang sein sollte, eckige Rohlinge gewonnen. Für den nächsten Arbeitsschritt hat er sich dann diesen Apparat konstruiert: Wenn man die Pedale betätigt, werden die Ecken des Rohlings weggehobelt.
Den „letzten Schliff“ für einen schönen runden Griffel sowie das Anbringen der Papierhülle erledigten dann aber Frau und Kinder – Kinderarbeit war damals noch durchaus üblich!

Dr. Peter Joerißen

Original und Fälschung von Sahnekapseln

Kayser Sahnekapseln - links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Original und Fälschung von Sahnekapseln

November 2020

Das Objekt des Monats November legt einen dreisten Ideenklau rund um Sahnekapseln der Firma Kayser Berndorf GmbH aus Wien, Österreich offen. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, verletzte der Fälscher die Bildmarke „KAYSER“ und kopierte 1:1 Produkt und Verpackung. Die Fälschungen erfüllen keinerlei Qualitäts- und Sicherheitsstandards: Die Kappe einer gefälschten Kapsel ist bei normalen Lagerbedingungen und ohne Fremdeinwirkung explodiert. Die Kapseln sind innen verrostet; das Gas in den Kapseln ist verunreinigt und nicht lebensmittelecht.

Die Prüfer entdeckten sieben Erkennungsmerkmale der Fälschung: Beim Original steht bei der Adresse der Hinweis „Made in Czech Republic“, es gibt Mikroprinting am Verpackungsboden (ein „K“ im Punkt) und die Kapsel hat einen längeren „Hals“. 

Außerdem ist das Logo minimal anders, die „falsche“ Kapsel ist schwerer und hat dickere Wände, was zu Bruchgefahr bzw. Überfüllung führen kann. Außerdem hat sich herausgestellt, dass die Fälschungen innen verrostet sind. Beim Belastungstest muss die Kapsel schließlich nach dem Platzen in einem Stück erhalten bleiben – bei der Fälschung löst sich aber die Kapselkappe. 

Die Fälschung bekam 2020 den Negativ-Preis „Plagiarius“ verliehen. Die „Plagiarius“-Trophäe, ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase, ist ein Symbol für die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten von Kreativen und der Industrie erwirtschaften. Bereits seit 1977 wird der Preis jährlich auf der Frankfurter Messe „Ambiente“ an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen verliehen. Die Auszeichnung mit dem Schmäh-Preis sagt nichts darüber aus, ob ein nachgemachtes Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Ziel der Aktion Plagiarius ist vielmehr, die skrupellosen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Industrie, Politik und Verbraucher sollen praxisnah für die enormen Schäden und Risiken von plumpen Nachahmungen sensibilisiert werden.

Das Museum Plagiarius in Solingen, seit Sommer 2020 im Netzwerk der Bergischen Museen aktiv, zeigt in seiner einzigartigen Ausstellung mehr als 350 Plagiarius-Preisträger der unterschiedlichsten Branchen – jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. Außerdem dabei: Typische vom Zoll beschlagnahmte Markenfälschungen. In Führungen werden spannende Fakten und Details vermittelt.

Der „Blitzer“ – Statussymbol des Steigers unter Tage

Blitzer, Bergmannslampe, vermutlich 1960er Jahre. Leihgabe Herbert Ommer. Foto: Jo Wittwer © Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe

Der „Blitzer“ – Statussymbol des Steigers unter Tage

Oktober 2020

Eine besondere Arbeitspause legten die Bergleute im Erzbergbau unter Tage ein, wenn zum Ende des Monats die Abmeßschicht anstand. Ihr Vorgesetzter, der sogenannte „Steiger“, begutachtete dann die Fortschritte der Arbeitstrupps, die jeden Monat aufs Neue mit ihm aushandelten, welches Gehalt sie für ihre geplante Arbeitsleistung erhielten. 
Der Besuch des Steigers bedeutete, dass die Bergleute ihre Arbeit niederlegten, so lange der Vorgesetzte bei ihnen war. Die Wiederaufnahme auch kleinerer Arbeiten in seiner Anwesenheit war in der Grube Lüderich bei Overath streng verpönt, wie der ehemalige Bergmann Siegfried Raimann berichtet. Der Zeitzeuge hat in den 1950er Jahren seine Ausbildung als Hauer auf der ehemaligen Grube gemacht und sich anschließend zum Steiger ausbilden lassen. Im Video erklärt er die Statussymbole des Steigers und die Besonderheiten seiner Lampe, des sogenannten „Blitzers“. 

Bis in die 1960er Jahre hinein wurden auf der Grube Lüderich die Karbidlampen eingesetzt, die Siegfried Raimann aus seiner Zeit beschreibt. In der Lampe wurde aus Wasser und Calziumkarbid ein Gas erzeugt, das mit heller Flamme verbrannte. 

Danach wurden elektrische Akkuleuchten eingesetzt. Das in der Ausstellung gezeigte Modell stammt zwar aus dem Siegerland, ist aber auch auf dem Lüderich verwendet worden.  

Der „Blitzer“ ist ungewöhnlich gut erhalten und zeigt die Sorgfalt, mit der das Arbeitsgerät behandelt wurde, von der auch Raimann berichtet. Die Bezeichnung „Blitzer“ soll vermutlich daher stammen, dass die Lampe um den Hals des Steigers getragen wurde und der sich nähernde Vorgesetzte durch das unregelmäßige Aufblitzen beim Gehen schon von weitem zu erkennen war. Im Gegensatz dazu trugen die Bergmänner ihre Lampen am Helm, um die Hände frei zu haben. So entwickelte sich auch diese Lampe schnell zu einem besonderen Statussymbol des Steigers unter Tage.

Die Laufzeit der Sonderausstellung „MittagsPause! Über den Wandel der Auszeit vom Arbeiten“, zu der dieses Objekt gehört, wurde verlängert und ist noch bis einschließlich Samstag, den 31. Oktober 2020, im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe zu sehen. 

Sandra Brauer

Der Regulateur

Regulateur. Foto: Deutsches Werkzeugmuseum Remscheid

Der Regulateur

September 2020

Unser „Objekt des Monats“ für September ist der sogenannte Regulateur. Hierbei handelt es sich um eine handgetriebene Bohrmaschine. 
Bereits die Menschen der Steinzeit führten Bohrungen in Stein aus. Ein mögliches Verfahren für eine Hohlbohrung war dabei die Verwendung eines Knochens, Bambus- oder Holunderasts – also von Materialien, die hohl sind. Im Querschnitt entsteht eine Kante, die Auflagefläche für das Schleifmittel, beispielsweise grobkörniger Sand, wird. Der hohle „Bohrer“ wird an einem Führungsstab befestigt und unter Druck gedrillt. Der Sand schleift einen Ring in den Stein und am Ende bleibt ein Zapfen in dem Hohlraum über. So könnte in eine steinzeitliche Axt ein Loch für den Schaft gebohrt worden sein.

Die Bohrtechnik hat sich immer weiterentwickelt. Unser Regulateur ist eine bedeutende Erfindung in dieser Entwicklungsgeschichte. Der Regulateur wurde 1904 von der Firma Arnz vorgestellt. Es handelt sich um eine Tischbohrmaschine, die sich die Fliehkraft zunutze macht. Die Kraft der Drehbewegung der Kugeln überträgt sich auf die Bohrspindel und drückt diese runter, wodurch ein selbstständiger Vorschub entsteht. Die Bohrleistung beträgt 6 Millimeter und die Bohrtiefe bis zu 80 Millimeter.

Diese Technik wurde früher schon bei Dampfmaschinen verwendet. Die Regulatoren steuern hier den Dampfzufluss. Wenn durch höheren Druck die Drehzahl steigt, schließt der Fliehkraftregler ein Ventil, wodurch die Dampfzufuhr reduziert wird und sich die Geschwindigkeit egalisiert und am Ende konstant bleibt.

Die Firma Flott, früher Arnz, feierte im Jahr 2019 ihr 165. Jubiläum und befindet sich bis heute in Familienbesitz. Das Objekt ist Teil der Sonderausstellung „FLOTT – Bohrmaschinen der Extraklasse“ im Deutschen Werkzeugmuseum der Stadt Remscheid, die noch bis 01. November 2020 zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Bohrmaschinen anhand der traditionsreichen Firma Flott.

Annette Babetzki

Die gläsernen Schlüssel aus Venedig

Fünf der 16 noch erhaltenen Glasschlüssel vom Glaskünstler Gianni Toso, 1973. Foto: Karina Medić, Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum Velbert

Die gläsernen Schlüssel aus Venedig

August 2020

Denkt man an Venedig, denkt man zuerst an prachtvolle Palazzi, azurblaue Kanäle und singende Gondolieri. Aber manch einer denkt vielleicht auch an die berühmten Glasbläser von der Insel Murano. Nicht nur ihr brandgefährlicher Beruf führte die Glasbläser 1295 aus Venedig auf die Insel. Hier galt es vor allem, das größte Geheimnis Venedigs zu schützen. Glashersteller waren gezwungen mit ihren Familien auf der Insel zu leben und durften sie nur mit einer Genehmigung verlassen. Verriet ein Glasbläser das Geheimnis der Glasherstellung, drohte ihm die Todesstrafe. 

Einer, der viele Jahrhunderte später die Insel verließ, um sein Wissen mit anderen Glaskünstlern zu teilen, war Maestro Gianni Toso. Seit bereits 700 Jahren war seine Familie im Glashandwerk tätig und schon im Alter von 10 Jahren wusste Gianni Toso, dass er in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten will. Ohne Wissen und Erlaubnis seiner Eltern begann er in einer Glasfabrik zu arbeiten – für einen Dollar pro Woche bei einem 12-Stunden Tag. Mit 14 wurde er in die Abate Vincenzo Zanetti, die Kunstakademie Maestro d’Arte für Glasbläsermeister auf der Insel Murano, aufgenommen. Sieben Jahre lang lernte er nicht nur das Glasblasen, sondern auch Design, Kunstgeschichte und Malerei. Nebenbei arbeitete er bei den besten Maestros in zwölf verschiedenen Fabriken und lernte so in 14 Jahren die Geheimnisse der venezianischen Glasbläser kennen. 

Mit Mitte 20 verließ Toso die Fabriken und eröffnete ein eigenes kleines Studio im jüdischen Ghetto von Venedig. Hier begann er sich auf künstlerische Art mit dem Glasblasen auseinanderzusetzen. 1969 schuf er sein berühmtes gläsernes Schachspiel „Juden gegen Katholiken“, auf dem katholische Franziskanerpriester gegen chassidische Juden kämpften. Es gewann damit den ersten Preis in einer Ausstellung von Muranos Meisterglasbläsern und wurde kurz darauf von Salvador Dali beauftragt, eine Serie von zwölf surrealistischen Blumen des Malers in Glas herzustellen.

1972 wurde Gianni Toso als einziger Venezianer zum Internationalen Glassymposium im Museum Bellerive in Zürich eingeladen. Auch wenn zu dieser Zeit keine Glasbläser mehr wegen Geheimnisverrats hingerichtet wurden, war es für Toso doch eine schwere Entscheidung. Was konnte und durfte er mit ausländischen Glaskünstlern teilen? Er hatte immer gedacht, Glas sei ein Medium für das Handwerk, doch auf diesem Symposium wurde ihm klar, das auch das Glasblasen

eine Kunstform ist, die „eine Art ist, Menschen zum Nachdenken zu bewegen, einen Raum zu öffnen und Türen zu öffnen“.

Vielleicht war dieser Gedanke ausschlaggebend für das Schaffen unserer Objekte des Monats. 18 Schlüssel aus weißem Glas hat der Künstler 1973 geformt. Filigran, teilweise dünner als ein Zahnstocher und völlig ohne Zweck, außer dem einen, das Auge zu erfreuen. Warum und für wen die Schlüssel gefertigt wurden, ist nicht bekannt. Aus den Unterlagen des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums geht jedoch hervor, dass sie 1974 vom damaligen Vorsitzenden der

Förderungsgemeinschaft des Museums und Leiter der Schlüsselfabrik Berthold Neumann & Co. aus Essen-Heidhausen, Herrn van den Kerkhoff, von einem Kölner Kunsthaus erworben wurden. Erst kürzlich tauchten die Schlüssel – leider unvollständig und zum Teil beschädigt – bei einer Depotinventur im Zuge des Museumsumzugs zufällig wieder auf. Wie viele Jahre mögen diese kleinen gläsernen Schätze in ihrem Karton geschlummert haben?

Gianni Tosos Werke werden heute in Galerien und Privatsammlungen in den USA, Australien, Belgien, Deutschland, Israel und Japan ausgestellt. Um diesen außergewöhnlichen Künstler, der zu den besten Glasbläsern der Welt zählt, zu ehren, sollen die verbliebenen 16 Schlüssel nach der Eröffnung des neuen Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums in einer besonderen Vitrine im Foyer des Neubaus für einige Zeit ausgestellt werden.

Karina Medić

Druckplatte „Das Mildtätige Hospital“, Hongkong, 1844

Druckplatte „Das Mildtätige Hospital“, Hongkong, 1844, Archiv- und Museumstiftung der VEM – Museum auf der Hardt, Wuppertal.

Druckplatte „Das Mildtätige Hospital“, Hongkong, 1844

Juli 2020

Die Druckplatte diente der Bekanntmachung der Eröffnung des ersten Krankenhauses nach Standards der westlichen Medizin auf dem Territorium der britischen Kolonie Hongkong. Die Kolonie war nicht lange zuvor gegründet worden und mit der Kolonialverwaltung kamen auch Missionare der London Missionary Society ins Land. In ihrem Auftrag übernahm der britische Arzt Benjamin Hobson die Einrichtung des neuen Hospitals auf einem der Hügel oberhalb der Stadt und leitete es in den ersten Jahren. Er verfasste sehr wahrscheinlich auch den in die Druckplatte geschnittenen Text.

Zwar gab es bereits vor der Eröffnung der Einrichtung Sanitätsschiffe in der Region, auf denen Europäer von europäischen oder amerikanischen Ärzten behandelt wurden. Das auf der Drucktafel als „mildtätiges Hospital“ bezeichnete Krankenhaus war jedoch die erste solche Einrichtung an Land, die darüber hinaus auch der chinesischen Bevölkerung uneingeschränkt offen stand. 

Dieser Umstand, wie auch der Vorläufer des Krankenhauses in Macao werden auf der rechten Seite des Informationsblatts verlautbart, das anhand der Druckform erstellt wurde. Außerdem erfährt der Leser, dass seit der Eröffnung 1843 „über 5000 Menschen (Männer, Frauen und Kinder) dort medizinische Hilfe erhielten“ und, dass diese ohne Ansehen der Person geleistet werde. Darüber hinaus würden all jene kostenfrei versorgt, die zu arm seien, um für ihren Aufenthalt im Hospital aufkommen zu können, heißt es weiter.

Insbesondere für die gerade in den Aufbaujahren der Kolonie in das Territorium strömenden, oft mittellosen Wanderarbeiter aus den angrenzenden chinesischen Provinzen, war eine solche Anlaufstelle für ihre gesundheitliche Versorgung attraktiv. Denn auch die Inanspruchnahme chinesischer Medizin war mit teils erheblichen Kosten verbunden. 

Auf der linken Seite der Druckplatte ist die Hausordnung zu lesen, an die sich Patienten und ihre Angehörigen zu halten hatten. Neben Verhaltensweisen wie sie auch heute jedes Krankenhaus von Patienten und Besuchern einfordert, tragen die letzten beiden dort zu lesenden Regeln dem damaligen Selbstverständnis einer solchen, von einer christlichen Missionsgesellschaft betriebenen Einrichtung Rechnung. Dort heißt es unter anderem: „Sie [Patienten und Angehörige] dürfen keine Götzen anbeten. Der diensthabende Arzt wünscht die Teilnahme aller Patienten an der Morgenandacht zu Ehren des einen wahren Gottes und seiner Botschaft der Wahrheit.“ Mit heutigen Leitlinien diakonischer oder caritativer Arbeit sind solche Forderungen nicht mehr vereinbar, doch sie zeigen, wie das Arbeitsfeld des missionsärztlichen Dienstes das Hauptanliegen der Missionsgesellschaften unterstützen sollte – die Verbreitung des Christentums.

Der Text auf der Druckplatte könnte letztlich auch von der Rheinischen Missionsgesellschaft aus Barmen als eine Art Blaupause für den Betrieb ihrer später in Ost- und Südostasien aufgebauten Krankenhäuser gedient haben. Historische Dokumente und Abbildungen solcher Einrichtungen, die Krankenhäuser in Tungkun und Pearadja, sind ebenso wie die Druckplatte in der aktuellen Sonderausstellung „Erst die Arbeit, dann die Mission“ zu sehen.

Christoph Schwab

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe

Ausstellung „Textile Wege“ im Müllershammer, Foto: Stefan Arendt / LVR-ZMB

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe

Juni 2020

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe wurde um 1800 als wasserbetriebenes Hammerwerk erbaut. Der Niedergang des metallverarbeitenden Gewerbes im Oberbergischen führte zu einem wiederholten Funktionswandel des Gebäudes. 1848 zunächst um eine Öl- und Knochenstampfmaschine erweitert, erlebte das Hammerwerk 1884 einen erneuten Nutzungswandel mit der Einrichtung einer Lumpenreißerei für die Textilindustrie. Aus den gerissenen Textilien entstand die sogenannte Kunst- oder Reißwolle. Naheliegende Spinnereien und Webereien fertigten daraus preiswerte Garne und Stoffe einfacher Qualität.

Mit der Anschaffung einer Dampfmaschine 1892 und dem Einbau einer Wasserturbine um 1905 erhöhte sich die Produktivität der Lumpenreißerei erheblich. Um 1900 arbeiteten bis zu 20 Personen – vor allem schlecht bezahlte Frauen und Jugendliche – in dem Betrieb. Bei der Lumpenaufbereitung handelt es sich um manuelle und chemische Prozesse, die für die Beschäftigten gesundheitsgefährdend waren. Auch die Umwelt litt unter diesen Verfahren. Innerhalb kurzer Zeit verwandelte sich die Leppe von einem klaren Gewässer in eine stinkende Kloake.

Mit Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Bergischen Freilichtmuseums Lindlar e.V. konnte das vom Einsturz bedrohte Gebäude im Museum wiederaufgebaut werden. Heute beherbergt der Müllershammer die Ausstellung „Textile Wege“, die sich mit der Verwertung von Altkleidern auseinandersetzt.

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe
Der Müllershammer im LVR-Freilichtmuseum Lindlar, Foto: Stefan Arendt / LVR-ZMB

Die Ausstellung thematisiert die vielfältigen Verarbeitungswege aussortierter Textilien von 1890 bis in die Gegenwart. Dabei spielen nicht nur die unterschiedlichen Formen des textilen Recyclings eine Rolle, sondern auch der Umgang mit unseren Ressourcen. Schon lange tragen wir keine Kleidung mehr auf; Flicken, Stopfen und Umnähen sind weitestgehend in Vergessenheit geratene Praktiken. Was beschädigt ist, nicht mehr passt, nicht mehr gefällt oder nicht
mehr der Mode entspricht, wird aussortiert.

Die Menge der jährlich in Deutschland zu recycelnden Textilien beträgt so rund 750.000 Tonnen. Damit sind die Deutschen europäischer Spitzenreiter. Die Ausstellung soll daher auch zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit Textilien anregen.

Kleiner Tipp: Unter dem Begriff Upcycling lassen sich viele Ideen und Anleitungen zum kreativen Wiederverwerten und Aufarbeiten von aussortierter Kleidung finden.

Marie Kramm