Dampflokmodell. Foto: Ralf Fellenberg, Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V.

Dampflokmodell. Foto: Ralf Fellenberg, Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V.

Modell einer Schnellzug-Dampflokomotive

Juni 2021

Es ist heutzutage gar nicht so einfach, der jüngeren Generation eine Dampflokomotive näher zu bringen. Nur noch sehr selten sind diese Loks bei Sonderzugfahrten oder in einigen Eisenbahnmuseen in Funktion zu erleben. Meistens erleben gerade die Kinder eine Dampflok auf einer Modellbahnanlage. Jedoch ist der Maßstab recht klein um genau zu sehen, wie die Bewegung der Räder erfolgt.
Deshalb ist es wichtig, auf große Modelle zurückzugreifen. Eines davon ist unser Modell der Schnellzug-Dampflokomotive 01 103 der Deutschen Bundesbahn im Maßstab von 1:15.

Solche Modelle standen früher in fast allen größeren Bahnhöfen. Gebaut wurde das Modell in der Lehrlingswerkstatt des Bahnbetriebswerkes (Bw) Wuppertal-Vohwinkel in den 1950er Jahren. Nach den Anschrift am Modell könnte es am 5. Mai 1953 fertiggestellt worden sein. Die Lehrlinge konnten so ihre handwerklichen Fähigkeiten als angehende Maschinenschlosser unter Beweis stellen. Und das sieht man dem Modell mit seinen feinen Details auch an.
Bei den Bahnhofsmodellen wurde durch den Einwurf eines 10-Pfennig-Stückes das Triebwerk in Bewegung gesetzt. Die Einnahmen kamen dem Eisenbahn Waisenhort zugute. Diese DB-Sozialeinrichtung unterstützte hinterbliebene Kinder verunfallter Eisenbahner.

Das Modell in unserem Museum stand früher im Düsseldorfer Hauptbahnhof. Seit 2020 bereichert es die Ausstellung im Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V. Dafür wurden sowohl der Antrieb unter dem Fahrgestell gereinigt als auch alle beweglichen Teile mit einem harzfreien Uhrmacher-Öl vorsichtig behandelt. Mittels eines Modellbahntrafos kann das Modell zur Freude von Jung und Alt betrieben werden. Die Bewegung der Räder ist für viele faszinierend.

Das Vorbild der Lok 01 103 wurde 1934 von der Firma Henschel mit der Fabrik-Nr. 22460 gebaut. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 130 km/h. Die Lok war knapp 24 Meter lang und wog zusammen mit dem Tender und vollen Vorräten an Kohle und Wasser fast 186 Tonnen. Ausgemustert wurde die Dampflok 1973.

Die Griffeldurchmachmaschine

Dezember 2020

Willkommen im Schulmuseum Bergisch Gladbach! Wenn Sie in den ersten Raum kommen, sehen Sie diesen merkwürdigen Apparat. Was hat der mit Schule zu tun? Es ist kein Folterinstrument, sondern eine Griffeldurchmachmaschine. Es hat also etwas mit Griffeln zu tun.

Der Hersteller der Schiefertafeln fertige auch die Griffel dafür an. Diese mussten rund sein, damit sie gut in der Hand liegen. Und sie waren mit einem Papier ummantelt, damit man sich nicht die Finger schmutzig machte.

Zunächst hat der Griffelhersteller aus einem großen Stück Schiefermaterial, das genauso breit war wie der Griffel lang sein sollte, eckige Rohlinge gewonnen. Für den nächsten Arbeitsschritt hat er sich dann diesen Apparat konstruiert: Wenn man die Pedale betätigt, werden die Ecken des Rohlings weggehobelt.
Den „letzten Schliff“ für einen schönen runden Griffel sowie das Anbringen der Papierhülle erledigten dann aber Frau und Kinder – Kinderarbeit war damals noch durchaus üblich!

Dr. Peter Joerißen

Original und Fälschung von Sahnekapseln

Kayser Sahnekapseln - links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Original und Fälschung von Sahnekapseln

November 2020

Das Objekt des Monats November legt einen dreisten Ideenklau rund um Sahnekapseln der Firma Kayser Berndorf GmbH aus Wien, Österreich offen. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, verletzte der Fälscher die Bildmarke „KAYSER“ und kopierte 1:1 Produkt und Verpackung. Die Fälschungen erfüllen keinerlei Qualitäts- und Sicherheitsstandards: Die Kappe einer gefälschten Kapsel ist bei normalen Lagerbedingungen und ohne Fremdeinwirkung explodiert. Die Kapseln sind innen verrostet; das Gas in den Kapseln ist verunreinigt und nicht lebensmittelecht.

Die Prüfer entdeckten sieben Erkennungsmerkmale der Fälschung: Beim Original steht bei der Adresse der Hinweis „Made in Czech Republic“, es gibt Mikroprinting am Verpackungsboden (ein „K“ im Punkt) und die Kapsel hat einen längeren „Hals“. 

Außerdem ist das Logo minimal anders, die „falsche“ Kapsel ist schwerer und hat dickere Wände, was zu Bruchgefahr bzw. Überfüllung führen kann. Außerdem hat sich herausgestellt, dass die Fälschungen innen verrostet sind. Beim Belastungstest muss die Kapsel schließlich nach dem Platzen in einem Stück erhalten bleiben – bei der Fälschung löst sich aber die Kapselkappe. 

Die Fälschung bekam 2020 den Negativ-Preis „Plagiarius“ verliehen. Die „Plagiarius“-Trophäe, ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase, ist ein Symbol für die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten von Kreativen und der Industrie erwirtschaften. Bereits seit 1977 wird der Preis jährlich auf der Frankfurter Messe „Ambiente“ an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen verliehen. Die Auszeichnung mit dem Schmäh-Preis sagt nichts darüber aus, ob ein nachgemachtes Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Ziel der Aktion Plagiarius ist vielmehr, die skrupellosen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Industrie, Politik und Verbraucher sollen praxisnah für die enormen Schäden und Risiken von plumpen Nachahmungen sensibilisiert werden.

Das Museum Plagiarius in Solingen, seit Sommer 2020 im Netzwerk der Bergischen Museen aktiv, zeigt in seiner einzigartigen Ausstellung mehr als 350 Plagiarius-Preisträger der unterschiedlichsten Branchen – jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. Außerdem dabei: Typische vom Zoll beschlagnahmte Markenfälschungen. In Führungen werden spannende Fakten und Details vermittelt.

Der „Blitzer“ – Statussymbol des Steigers unter Tage

Blitzer, Bergmannslampe, vermutlich 1960er Jahre. Leihgabe Herbert Ommer. Foto: Jo Wittwer © Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe

Der „Blitzer“ – Statussymbol des Steigers unter Tage

Oktober 2020

Eine besondere Arbeitspause legten die Bergleute im Erzbergbau unter Tage ein, wenn zum Ende des Monats die Abmeßschicht anstand. Ihr Vorgesetzter, der sogenannte „Steiger“, begutachtete dann die Fortschritte der Arbeitstrupps, die jeden Monat aufs Neue mit ihm aushandelten, welches Gehalt sie für ihre geplante Arbeitsleistung erhielten. 
Der Besuch des Steigers bedeutete, dass die Bergleute ihre Arbeit niederlegten, so lange der Vorgesetzte bei ihnen war. Die Wiederaufnahme auch kleinerer Arbeiten in seiner Anwesenheit war in der Grube Lüderich bei Overath streng verpönt, wie der ehemalige Bergmann Siegfried Raimann berichtet. Der Zeitzeuge hat in den 1950er Jahren seine Ausbildung als Hauer auf der ehemaligen Grube gemacht und sich anschließend zum Steiger ausbilden lassen. Im Video erklärt er die Statussymbole des Steigers und die Besonderheiten seiner Lampe, des sogenannten „Blitzers“. 

Bis in die 1960er Jahre hinein wurden auf der Grube Lüderich die Karbidlampen eingesetzt, die Siegfried Raimann aus seiner Zeit beschreibt. In der Lampe wurde aus Wasser und Calziumkarbid ein Gas erzeugt, das mit heller Flamme verbrannte. 

Danach wurden elektrische Akkuleuchten eingesetzt. Das in der Ausstellung gezeigte Modell stammt zwar aus dem Siegerland, ist aber auch auf dem Lüderich verwendet worden.  

Der „Blitzer“ ist ungewöhnlich gut erhalten und zeigt die Sorgfalt, mit der das Arbeitsgerät behandelt wurde, von der auch Raimann berichtet. Die Bezeichnung „Blitzer“ soll vermutlich daher stammen, dass die Lampe um den Hals des Steigers getragen wurde und der sich nähernde Vorgesetzte durch das unregelmäßige Aufblitzen beim Gehen schon von weitem zu erkennen war. Im Gegensatz dazu trugen die Bergmänner ihre Lampen am Helm, um die Hände frei zu haben. So entwickelte sich auch diese Lampe schnell zu einem besonderen Statussymbol des Steigers unter Tage.

Die Laufzeit der Sonderausstellung „MittagsPause! Über den Wandel der Auszeit vom Arbeiten“, zu der dieses Objekt gehört, wurde verlängert und ist noch bis einschließlich Samstag, den 31. Oktober 2020, im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe zu sehen. 

Sandra Brauer

Der Regulateur

Regulateur. Foto: Deutsches Werkzeugmuseum Remscheid

Der Regulateur

September 2020

Unser „Objekt des Monats“ für September ist der sogenannte Regulateur. Hierbei handelt es sich um eine handgetriebene Bohrmaschine. 
Bereits die Menschen der Steinzeit führten Bohrungen in Stein aus. Ein mögliches Verfahren für eine Hohlbohrung war dabei die Verwendung eines Knochens, Bambus- oder Holunderasts – also von Materialien, die hohl sind. Im Querschnitt entsteht eine Kante, die Auflagefläche für das Schleifmittel, beispielsweise grobkörniger Sand, wird. Der hohle „Bohrer“ wird an einem Führungsstab befestigt und unter Druck gedrillt. Der Sand schleift einen Ring in den Stein und am Ende bleibt ein Zapfen in dem Hohlraum über. So könnte in eine steinzeitliche Axt ein Loch für den Schaft gebohrt worden sein.

Die Bohrtechnik hat sich immer weiterentwickelt. Unser Regulateur ist eine bedeutende Erfindung in dieser Entwicklungsgeschichte. Der Regulateur wurde 1904 von der Firma Arnz vorgestellt. Es handelt sich um eine Tischbohrmaschine, die sich die Fliehkraft zunutze macht. Die Kraft der Drehbewegung der Kugeln überträgt sich auf die Bohrspindel und drückt diese runter, wodurch ein selbstständiger Vorschub entsteht. Die Bohrleistung beträgt 6 Millimeter und die Bohrtiefe bis zu 80 Millimeter.

Diese Technik wurde früher schon bei Dampfmaschinen verwendet. Die Regulatoren steuern hier den Dampfzufluss. Wenn durch höheren Druck die Drehzahl steigt, schließt der Fliehkraftregler ein Ventil, wodurch die Dampfzufuhr reduziert wird und sich die Geschwindigkeit egalisiert und am Ende konstant bleibt.

Die Firma Flott, früher Arnz, feierte im Jahr 2019 ihr 165. Jubiläum und befindet sich bis heute in Familienbesitz. Das Objekt ist Teil der Sonderausstellung „FLOTT – Bohrmaschinen der Extraklasse“ im Deutschen Werkzeugmuseum der Stadt Remscheid, die noch bis 01. November 2020 zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Bohrmaschinen anhand der traditionsreichen Firma Flott.

Annette Babetzki

Die gläsernen Schlüssel aus Venedig

Fünf der 16 noch erhaltenen Glasschlüssel vom Glaskünstler Gianni Toso, 1973. Foto: Karina Medić, Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum Velbert

Die gläsernen Schlüssel aus Venedig

August 2020

Denkt man an Venedig, denkt man zuerst an prachtvolle Palazzi, azurblaue Kanäle und singende Gondolieri. Aber manch einer denkt vielleicht auch an die berühmten Glasbläser von der Insel Murano. Nicht nur ihr brandgefährlicher Beruf führte die Glasbläser 1295 aus Venedig auf die Insel. Hier galt es vor allem, das größte Geheimnis Venedigs zu schützen. Glashersteller waren gezwungen mit ihren Familien auf der Insel zu leben und durften sie nur mit einer Genehmigung verlassen. Verriet ein Glasbläser das Geheimnis der Glasherstellung, drohte ihm die Todesstrafe. 

Einer, der viele Jahrhunderte später die Insel verließ, um sein Wissen mit anderen Glaskünstlern zu teilen, war Maestro Gianni Toso. Seit bereits 700 Jahren war seine Familie im Glashandwerk tätig und schon im Alter von 10 Jahren wusste Gianni Toso, dass er in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten will. Ohne Wissen und Erlaubnis seiner Eltern begann er in einer Glasfabrik zu arbeiten – für einen Dollar pro Woche bei einem 12-Stunden Tag. Mit 14 wurde er in die Abate Vincenzo Zanetti, die Kunstakademie Maestro d’Arte für Glasbläsermeister auf der Insel Murano, aufgenommen. Sieben Jahre lang lernte er nicht nur das Glasblasen, sondern auch Design, Kunstgeschichte und Malerei. Nebenbei arbeitete er bei den besten Maestros in zwölf verschiedenen Fabriken und lernte so in 14 Jahren die Geheimnisse der venezianischen Glasbläser kennen. 

Mit Mitte 20 verließ Toso die Fabriken und eröffnete ein eigenes kleines Studio im jüdischen Ghetto von Venedig. Hier begann er sich auf künstlerische Art mit dem Glasblasen auseinanderzusetzen. 1969 schuf er sein berühmtes gläsernes Schachspiel „Juden gegen Katholiken“, auf dem katholische Franziskanerpriester gegen chassidische Juden kämpften. Es gewann damit den ersten Preis in einer Ausstellung von Muranos Meisterglasbläsern und wurde kurz darauf von Salvador Dali beauftragt, eine Serie von zwölf surrealistischen Blumen des Malers in Glas herzustellen.

1972 wurde Gianni Toso als einziger Venezianer zum Internationalen Glassymposium im Museum Bellerive in Zürich eingeladen. Auch wenn zu dieser Zeit keine Glasbläser mehr wegen Geheimnisverrats hingerichtet wurden, war es für Toso doch eine schwere Entscheidung. Was konnte und durfte er mit ausländischen Glaskünstlern teilen? Er hatte immer gedacht, Glas sei ein Medium für das Handwerk, doch auf diesem Symposium wurde ihm klar, das auch das Glasblasen

eine Kunstform ist, die „eine Art ist, Menschen zum Nachdenken zu bewegen, einen Raum zu öffnen und Türen zu öffnen“.

Vielleicht war dieser Gedanke ausschlaggebend für das Schaffen unserer Objekte des Monats. 18 Schlüssel aus weißem Glas hat der Künstler 1973 geformt. Filigran, teilweise dünner als ein Zahnstocher und völlig ohne Zweck, außer dem einen, das Auge zu erfreuen. Warum und für wen die Schlüssel gefertigt wurden, ist nicht bekannt. Aus den Unterlagen des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums geht jedoch hervor, dass sie 1974 vom damaligen Vorsitzenden der

Förderungsgemeinschaft des Museums und Leiter der Schlüsselfabrik Berthold Neumann & Co. aus Essen-Heidhausen, Herrn van den Kerkhoff, von einem Kölner Kunsthaus erworben wurden. Erst kürzlich tauchten die Schlüssel – leider unvollständig und zum Teil beschädigt – bei einer Depotinventur im Zuge des Museumsumzugs zufällig wieder auf. Wie viele Jahre mögen diese kleinen gläsernen Schätze in ihrem Karton geschlummert haben?

Gianni Tosos Werke werden heute in Galerien und Privatsammlungen in den USA, Australien, Belgien, Deutschland, Israel und Japan ausgestellt. Um diesen außergewöhnlichen Künstler, der zu den besten Glasbläsern der Welt zählt, zu ehren, sollen die verbliebenen 16 Schlüssel nach der Eröffnung des neuen Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums in einer besonderen Vitrine im Foyer des Neubaus für einige Zeit ausgestellt werden.

Karina Medić

Druckplatte „Das Mildtätige Hospital“, Hongkong, 1844

Druckplatte „Das Mildtätige Hospital“, Hongkong, 1844, Archiv- und Museumstiftung der VEM – Museum auf der Hardt, Wuppertal.

Druckplatte „Das Mildtätige Hospital“, Hongkong, 1844

Juli 2020

Die Druckplatte diente der Bekanntmachung der Eröffnung des ersten Krankenhauses nach Standards der westlichen Medizin auf dem Territorium der britischen Kolonie Hongkong. Die Kolonie war nicht lange zuvor gegründet worden und mit der Kolonialverwaltung kamen auch Missionare der London Missionary Society ins Land. In ihrem Auftrag übernahm der britische Arzt Benjamin Hobson die Einrichtung des neuen Hospitals auf einem der Hügel oberhalb der Stadt und leitete es in den ersten Jahren. Er verfasste sehr wahrscheinlich auch den in die Druckplatte geschnittenen Text.

Zwar gab es bereits vor der Eröffnung der Einrichtung Sanitätsschiffe in der Region, auf denen Europäer von europäischen oder amerikanischen Ärzten behandelt wurden. Das auf der Drucktafel als „mildtätiges Hospital“ bezeichnete Krankenhaus war jedoch die erste solche Einrichtung an Land, die darüber hinaus auch der chinesischen Bevölkerung uneingeschränkt offen stand. 

Dieser Umstand, wie auch der Vorläufer des Krankenhauses in Macao werden auf der rechten Seite des Informationsblatts verlautbart, das anhand der Druckform erstellt wurde. Außerdem erfährt der Leser, dass seit der Eröffnung 1843 „über 5000 Menschen (Männer, Frauen und Kinder) dort medizinische Hilfe erhielten“ und, dass diese ohne Ansehen der Person geleistet werde. Darüber hinaus würden all jene kostenfrei versorgt, die zu arm seien, um für ihren Aufenthalt im Hospital aufkommen zu können, heißt es weiter.

Insbesondere für die gerade in den Aufbaujahren der Kolonie in das Territorium strömenden, oft mittellosen Wanderarbeiter aus den angrenzenden chinesischen Provinzen, war eine solche Anlaufstelle für ihre gesundheitliche Versorgung attraktiv. Denn auch die Inanspruchnahme chinesischer Medizin war mit teils erheblichen Kosten verbunden. 

Auf der linken Seite der Druckplatte ist die Hausordnung zu lesen, an die sich Patienten und ihre Angehörigen zu halten hatten. Neben Verhaltensweisen wie sie auch heute jedes Krankenhaus von Patienten und Besuchern einfordert, tragen die letzten beiden dort zu lesenden Regeln dem damaligen Selbstverständnis einer solchen, von einer christlichen Missionsgesellschaft betriebenen Einrichtung Rechnung. Dort heißt es unter anderem: „Sie [Patienten und Angehörige] dürfen keine Götzen anbeten. Der diensthabende Arzt wünscht die Teilnahme aller Patienten an der Morgenandacht zu Ehren des einen wahren Gottes und seiner Botschaft der Wahrheit.“ Mit heutigen Leitlinien diakonischer oder caritativer Arbeit sind solche Forderungen nicht mehr vereinbar, doch sie zeigen, wie das Arbeitsfeld des missionsärztlichen Dienstes das Hauptanliegen der Missionsgesellschaften unterstützen sollte – die Verbreitung des Christentums.

Der Text auf der Druckplatte könnte letztlich auch von der Rheinischen Missionsgesellschaft aus Barmen als eine Art Blaupause für den Betrieb ihrer später in Ost- und Südostasien aufgebauten Krankenhäuser gedient haben. Historische Dokumente und Abbildungen solcher Einrichtungen, die Krankenhäuser in Tungkun und Pearadja, sind ebenso wie die Druckplatte in der aktuellen Sonderausstellung „Erst die Arbeit, dann die Mission“ zu sehen.

Christoph Schwab

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe

Ausstellung „Textile Wege“ im Müllershammer, Foto: Stefan Arendt / LVR-ZMB

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe

Juni 2020

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe wurde um 1800 als wasserbetriebenes Hammerwerk erbaut. Der Niedergang des metallverarbeitenden Gewerbes im Oberbergischen führte zu einem wiederholten Funktionswandel des Gebäudes. 1848 zunächst um eine Öl- und Knochenstampfmaschine erweitert, erlebte das Hammerwerk 1884 einen erneuten Nutzungswandel mit der Einrichtung einer Lumpenreißerei für die Textilindustrie. Aus den gerissenen Textilien entstand die sogenannte Kunst- oder Reißwolle. Naheliegende Spinnereien und Webereien fertigten daraus preiswerte Garne und Stoffe einfacher Qualität.

Mit der Anschaffung einer Dampfmaschine 1892 und dem Einbau einer Wasserturbine um 1905 erhöhte sich die Produktivität der Lumpenreißerei erheblich. Um 1900 arbeiteten bis zu 20 Personen – vor allem schlecht bezahlte Frauen und Jugendliche – in dem Betrieb. Bei der Lumpenaufbereitung handelt es sich um manuelle und chemische Prozesse, die für die Beschäftigten gesundheitsgefährdend waren. Auch die Umwelt litt unter diesen Verfahren. Innerhalb kurzer Zeit verwandelte sich die Leppe von einem klaren Gewässer in eine stinkende Kloake.

Mit Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Bergischen Freilichtmuseums Lindlar e.V. konnte das vom Einsturz bedrohte Gebäude im Museum wiederaufgebaut werden. Heute beherbergt der Müllershammer die Ausstellung „Textile Wege“, die sich mit der Verwertung von Altkleidern auseinandersetzt.

Der Müllershammer aus Lindlar-Oberleppe
Der Müllershammer im LVR-Freilichtmuseum Lindlar, Foto: Stefan Arendt / LVR-ZMB

Die Ausstellung thematisiert die vielfältigen Verarbeitungswege aussortierter Textilien von 1890 bis in die Gegenwart. Dabei spielen nicht nur die unterschiedlichen Formen des textilen Recyclings eine Rolle, sondern auch der Umgang mit unseren Ressourcen. Schon lange tragen wir keine Kleidung mehr auf; Flicken, Stopfen und Umnähen sind weitestgehend in Vergessenheit geratene Praktiken. Was beschädigt ist, nicht mehr passt, nicht mehr gefällt oder nicht
mehr der Mode entspricht, wird aussortiert.

Die Menge der jährlich in Deutschland zu recycelnden Textilien beträgt so rund 750.000 Tonnen. Damit sind die Deutschen europäischer Spitzenreiter. Die Ausstellung soll daher auch zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit Textilien anregen.

Kleiner Tipp: Unter dem Begriff Upcycling lassen sich viele Ideen und Anleitungen zum kreativen Wiederverwerten und Aufarbeiten von aussortierter Kleidung finden.

Marie Kramm

Goldener Schlüssel für das Bundeskanzleramt, 1977

Nachbildung des goldenen Schlüssels für das damalige Bundeskanzleramt. Foto: Thomas Schultze

Goldener Schlüssel für das Bundeskanzleramt, 1977

Mai 2020

Die Sammlung des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums in Velbert bietet allerlei interessante und spannende Objekte, die zeigen, wie weit verstreut in der Welt die Schlüssel und Schlösser aus Velbert zu finden sind und an welchen besonderen Orten sie zum Einsatz kommen. Im Jahre 1976 schaffte es ein Schlüssel aus Velbert sogar in das damalige Bundeskanzleramt nach Bonn!


Ende der 1960er Jahre beschloss das Bundeskabinett aufgrund akuten Platzmangels, das Bundeskanzleramt im Palais Schaumburg zugunsten eines Neubaus aufzugeben. Das neue Gebäude im Bonner Ortsteil Gronau war von 1976 bis 1999 Sitz des Bundeskanzleramtes. Dieser Neubau wurde mit Schlössern der Velberter Firma BKS ausgerüstet. Die BKS GmbH wurde 1903 gegründet und fertigt auch heute noch mechanische und elektronische Schließzylinder, Schlösser und Schließsysteme sowie Panikschlösser für Flucht- und Rettungswege und Fluchttürsicherungen.
BKS hatte aber nicht nur das Bundeskanzleramt bestückt, sondern gemeinsam mit dem Goldschmiedemeister H. Leifels aus Velbert auch den goldenen Generalhauptschlüssel gefertigt. Der Schlüssel zeigt auf einer großen rechteckigen Reide den Bundesadler und die Aufschrift „Bundeskanzleramt“. Das Foto zeigt Bundeskanzler Helmut Schmidt bei der Übergabe des goldenen BKS-Generalhauptschlüssels für das neue Bundeskanzleramt durch Bundesbauminister Karl Ravens. Schmidt soll begeistert gesagt haben: „So einen schönen Schlüssel habe ich noch nicht gehabt!“
Der goldene Schlüssel aus unserer Sammlung wurde nur ein Jahr später hergestellt. Es handelt sich um eine originalgetreue Nachbildung, allerdings wurden die Profilierung und Einschnitte des Schlüssels aus Sicherheitsgründen geändert. 

Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundesbauminister Ravens bei der Schlüsselübergabe im Frühjahr 1976
Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundesbauminister Ravens bei der Schlüsselübergabe im Frühjahr 1976. Foto: Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum

Leider können Sie den goldenen Schlüssel derzeit nicht bestaunen, denn das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum ist umzugsbedingt geschlossen. Allerdings werden wir ihn nach der Wiedereröffnung in unserer Quartalsvitrine im Foyer des Museums zeigen, in der regelmäßig besondere und spannende Objekte aus unserer Sammlung ausgestellt werden.

Dr. Yvonne Gönster

Hahn‘s Zitsch und Keppels Büdchen

Keppels Büdchen vor dem Rathaus, Bergisch Gladbach, um 1930. Foto: Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe

Hahn‘s Zitsch und Keppels Büdchen

April 2020

Im Bergisch Gladbach der Nachkriegszeit war Hahn’s Zitsch ein bekannter Markenname. Angepriesen als „Brauselimonade“ mit „mindestens 7 Prozent bestem Zucker“ wurde die Limo vermutlich bereits in den 1920er Jahren in Bergisch Gladbach produziert.

Für die Sonderausstellung „MittagsPause! Über die Auszeit vom Arbeiten“ hat Hans Dieter Sciagala dem Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe die bauchige Glasflasche geliehen. Er erforschte auch die Geschichte der Getränkefabrik.

Diese Flasche stammt laut Etikett aus der Produktion von Walter Hahn. Walter war der Sohn des Firmengründers Carl, der 1903 ein Mineralwasser-Geschäft übernahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Walter das komplett zerstörte Firmen- und Wohngebäude der Familie am Refrather Weg 2 wieder auf. Und produzierte wieder Hahn’s Zitsch.

Hahn‘s Zitsch und Keppels Büdchen
Flasche Hahn’s Zitsch. Foto: Jo Wittwer

Neben vielen Gaststätten in der Stadt und im näheren Umland vertrieb auch Keppels Büdchen die Limonade. Der Kiosk am heutigen Konrad-Adenauer-Platz im Herzen Bergisch Gladbachs hieß so nach seinem Betreiber Peter Keppel. Im Stadtarchiv Bergisch Gladbach finden sich Fotos aus den 1950er Jahren, die das Büdchen mit Werbung für das beliebte Getränk zeigen. Das Foto des Büdchens aus den Sammlungen des Museums dagegen hat keine Werbung. Vermutlich stammt es aus der Zeit um 1930.
Mit Sicherheit gehörte auch Hahn‘s Zitsch zur damaligen Pausenkost dazu. In der Ausstellung im Bergischen Museum, die noch bis zum 11. Oktober 2020 zu sehen sein wird, steht sie sinnbildlich für das Entstehen der modernen Getränkeindustrie. In Glasflaschen abgefüllt, eroberten Mineralwasser und Limonaden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unsere Pausen. Sie verdrängten nach und nach Brunnenwasser und Bier als Erfrischungsgetränke. Nur der Kaffee, von dem die Nachmittagspause ihren Namen hat, wurde noch allgegenwärtiger. 


Sandra Brauer

Brutapparat für Hühnereier, um 1930Brutapparat für Hühnereier, um 1930

Foto: Brutapparat für Hühnereier, LVR-Freilichtmuseum Lindlar, Suzy Coppens, Bergerhof Studios

Brutapparat für Hühnereier, um 1930

März 2020

Der elektrisch betriebene Brutapparat bietet Platz für etwa 30 Hühnereier und ermöglicht das Ausbrüten ohne die Hilfe der Glucken. Durch eine verstellbare Drehscheibe kann die Temperatur im Inneren des Geräts eingestellt werden. Da die Apparate das Klima für eine erfolgreiche Ausbrütung nicht exakt halten konnten, mussten die Eier regelmäßig von Hand gewendet werden.


Die Aufzucht des Geflügels und damit die Betreuung der Brutapparate zählte in den 1920er Jahren zu den klassischen Frauentätigkeiten auf dem Land. In Folge wiederholter Missernten forderten regionale Behörden ab 1925 eine Intensivierung der Geflügelhaltung, um Frauen ein zusätzliches Einkommen – das Eiergeld – zu ermöglichen.

Die anfallenden Kosten für einen Ausbau der Geflügelzucht konnten sich jedoch nur die wenigsten Betriebe leisten. Ein großer Anteil der Frauen, die sich mit der Geflügelhaltung beschäftigten, hielten meist nur so viel Geflügel, dass es für den Eigenbedarf reichte.
Der Brutapparat ist Teil der neuen Ausstellung: Land – Frauen – Arbeit in der Weimarer Republik, die ab dem 10. März bis zum 31. Dezember 2020 im LVR-Freilichtmuseum Lindlar zu sehen ist. Die Ausstellung gibt Einblicke in das Alltagsleben und die Arbeitsbereiche von Frauen im Bergischen Land in den 1920er Jahren. Neben dem neu erlangten Frauenwahlrecht, neuen Freizeitaktivitäten und Bildungschancen, beschäftigt sich die Ausstellung mit unterschiedlichen Berufsfeldern, in denen Frauen zu dieser Zeit tätig waren. 

Viola Mautsch

Ansicht vom „Mäuerchen“, Elberfeld, 1860

Foto: Historisches Zentrum Wuppertal

Ansicht vom „Mäuerchen“, Elberfeld, 1860

Februar 2020

Die Aufnahme zeigt eine Ansicht vom „Mäuerchen“ in Elberfeld mit einem Teil der Schlossbleiche im Vordergrund aus dem Jahre 1860 zu einer Zeit, als es die Schwebebahn über der Wupper noch nicht gab. 

Auf der linken Wupperseite steht das Gebäude der Manufaktur Johann Simons Erben, einem Betreiber für mechanische Webstühle. Johann Simons (1735-1789), der aus dem Raum Krefeld nach Elberfeld gekommen war, hatte die Firma um 1760 gegründet. Um 1875 war sie mit 710 Beschäftigten die größte Firma im Tal. Um 1900 erwarb die Stadt Elberfeld das Fabrikgelände. Hier entstand unter anderem das 1906 eröffnete Thalia-Theater und die Industrie- und Handelskammer.

Die etwa in der Bildmitte erkennbare Simonssche Brücke über die Wupper zum Islandufer entspricht in etwa dem heutigen Bismarcksteg. Im Hintergrund sind die Türme der St. Laurentiuskirche erkennbar, der ersten katholischen Kirche in Elberfeld nach der Reformation, die von 1828 bis 1832 am Laurentiusplatz im Luisenviertel erbaut wurde.

 
Diese und viele andere Geschichten erzählt die Sonderausstellung des Historischen Zentrums Wuppertal „Friedrich Engels – Ein Gespenst geht um in Europa„, zu sehen vom 29. März bis 20. September 2020 in der Kunsthalle Barmen.