Hahn‘s Zitsch und Keppels Büdchen
Keppels Büdchen vor dem Rathaus, Bergisch Gladbach, um 1930. Foto: Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe

Hahn‘s Zitsch und Keppels Büdchen

Im Bergisch Gladbach der Nachkriegszeit war Hahn’s Zitsch ein bekannter Markenname. Angepriesen als „Brauselimonade“ mit „mindestens 7 Prozent bestem Zucker“ wurde die Limo vermutlich bereits in den 1920er Jahren in Bergisch Gladbach produziert.

Für die Sonderausstellung „MittagsPause! Über die Auszeit vom Arbeiten“ hat Hans Dieter Sciagala dem Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe die bauchige Glasflasche geliehen. Er erforschte auch die Geschichte der Getränkefabrik.

Diese Flasche stammt laut Etikett aus der Produktion von Walter Hahn. Walter war der Sohn des Firmengründers Carl, der 1903 ein Mineralwasser-Geschäft übernahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Walter das komplett zerstörte Firmen- und Wohngebäude der Familie am Refrather Weg 2 wieder auf. Und produzierte wieder Hahn’s Zitsch.

Hahn‘s Zitsch und Keppels Büdchen
Flasche Hahn’s Zitsch. Foto: Jo Wittwer

Neben vielen Gaststätten in der Stadt und im näheren Umland vertrieb auch Keppels Büdchen die Limonade. Der Kiosk am heutigen Konrad-Adenauer-Platz im Herzen Bergisch Gladbachs hieß so nach seinem Betreiber Peter Keppel. Im Stadtarchiv Bergisch Gladbach finden sich Fotos aus den 1950er Jahren, die das Büdchen mit Werbung für das beliebte Getränk zeigen. Das Foto des Büdchens aus den Sammlungen des Museums dagegen hat keine Werbung. Vermutlich stammt es aus der Zeit um 1930.
Mit Sicherheit gehörte auch Hahn‘s Zitsch zur damaligen Pausenkost dazu. In der Ausstellung im Bergischen Museum, die noch bis zum 11. Oktober 2020 zu sehen sein wird, steht sie sinnbildlich für das Entstehen der modernen Getränkeindustrie. In Glasflaschen abgefüllt, eroberten Mineralwasser und Limonaden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unsere Pausen. Sie verdrängten nach und nach Brunnenwasser und Bier als Erfrischungsgetränke. Nur der Kaffee, von dem die Nachmittagspause ihren Namen hat, wurde noch allgegenwärtiger. 


Sandra Brauer