Original und Fälschung von Sahnekapseln
Kayser Sahnekapseln - links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Original und Fälschung von Sahnekapseln

Das Objekt des Monats November legt einen dreisten Ideenklau rund um Sahnekapseln der Firma Kayser Berndorf GmbH aus Wien, Österreich offen. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, verletzte der Fälscher die Bildmarke „KAYSER“ und kopierte 1:1 Produkt und Verpackung. Die Fälschungen erfüllen keinerlei Qualitäts- und Sicherheitsstandards: Die Kappe einer gefälschten Kapsel ist bei normalen Lagerbedingungen und ohne Fremdeinwirkung explodiert. Die Kapseln sind innen verrostet; das Gas in den Kapseln ist verunreinigt und nicht lebensmittelecht.

Die Prüfer entdeckten sieben Erkennungsmerkmale der Fälschung: Beim Original steht bei der Adresse der Hinweis „Made in Czech Republic“, es gibt Mikroprinting am Verpackungsboden (ein „K“ im Punkt) und die Kapsel hat einen längeren „Hals“. 

Außerdem ist das Logo minimal anders, die „falsche“ Kapsel ist schwerer und hat dickere Wände, was zu Bruchgefahr bzw. Überfüllung führen kann. Außerdem hat sich herausgestellt, dass die Fälschungen innen verrostet sind. Beim Belastungstest muss die Kapsel schließlich nach dem Platzen in einem Stück erhalten bleiben – bei der Fälschung löst sich aber die Kapselkappe. 

Die Fälschung bekam 2020 den Negativ-Preis „Plagiarius“ verliehen. Die „Plagiarius“-Trophäe, ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase, ist ein Symbol für die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten von Kreativen und der Industrie erwirtschaften. Bereits seit 1977 wird der Preis jährlich auf der Frankfurter Messe „Ambiente“ an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen verliehen. Die Auszeichnung mit dem Schmäh-Preis sagt nichts darüber aus, ob ein nachgemachtes Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Ziel der Aktion Plagiarius ist vielmehr, die skrupellosen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Industrie, Politik und Verbraucher sollen praxisnah für die enormen Schäden und Risiken von plumpen Nachahmungen sensibilisiert werden.

Das Museum Plagiarius in Solingen, seit Sommer 2020 im Netzwerk der Bergischen Museen aktiv, zeigt in seiner einzigartigen Ausstellung mehr als 350 Plagiarius-Preisträger der unterschiedlichsten Branchen – jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. Außerdem dabei: Typische vom Zoll beschlagnahmte Markenfälschungen. In Führungen werden spannende Fakten und Details vermittelt.